On the ... sunny side of the street
Mittwoch, 21. August 2013

7

Er war geizig. Für nichts gab er Geld aus außer für Bücher. Sie waren um ihn in seiner Bibliothek. Sie waren bei ihm. Das Heiligtum lagerte im Tempel. Ich kaufte die Bücher, von denen er sprach. Ich kaufte die Bücher, die er angefasst hatte. Ich zählte kein Geld.

Seine Liebe zu den Büchern verwechselte ich mit Liebe zu Gedanken und Freiheit. Aber die Bücher widersprachen nur nicht. Die Bücher verwirrten nicht. Die Bücher veränderten sich nicht. Er las dieselben Dinge immer wieder. Ich schenkte ihm ein neues Buch. Ich schenkte ihm neue Gedanken. Ich schenkte ihm Freiheit. Doch er ging wieder denselben Weg an dieselben Orte.

„Knie dich vor mich hin.“ Er drückte mein Gesicht gegen seine Jeans. Ich spürte ihn, ohne zu atmen und ohne zu denken. Es kam keiner die Treppe hinunter. Er beugte mich vor. Seine Hose stand offen. Meine Hände lagen auf dem Geländer. Kurz fühlte ich das dunkle Wesen in ihm. Die Gefahr, die von ihm ausging. Ich kannte ihn nicht. Doch dann nahm er mich in den Arm.

WHEN THE MUSIC’S OVER
When the music's over
When the music's over, yeah
When the music's over
Turn out the lights
Turn out the lights
Turn out the lights, yeah
When the music's over
When the music's over
When the music's over
Turn out the lights
Turn out the lights
Turn out the lights
For the music is your special friend
Dance on fire as it intends
Music is your only friend
Until the end
Until the end
Until the end
Cancel my subscription to the Resurrection
Send my credentials to the House of Detention
I got some friends inside
The face in the mirror won't stop
The girl in the window won't drop
A feast of friends
"Alive!" she cried
Waitin' for me
Outside
Before I sink
Into the big sleep
I want to hear
I want to hear
The scream of the butterfly
Come back, baby
Back into my arm
We're gettin' tired of hangin' around
Waitin' around with our heads to the ground
I hear a very gentle sound
Very near yet very far
Very soft, yeah, very clear
Come today, come today
What have they done to the earth?
What have they done to our fair sister?
Ravaged and plundered and ripped her and bit her
Stuck her with knives in the side of the dawn
And tied her with fences and dragged her down
I hear a very gentle sound
With your ear down to the ground
We want the world and we want it...
We want the world and we want it...
Now
Now?
Now
Persian night, babe
See the light, babe
Save us
Jesus
Save us
So when the music's over
When the music's over, yeah
When the music's over
Turn out the lights
Turn out the lights
Turn out the lights
Well the music is your special friend
Dance on fire as it intends
Music is your only friend
Until the end
Until the end
Until the end

[The Doors]

pyr

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Freitag, 16. August 2013

6

Sex ist zuerst entweder Worte oder Blicke. Bei ihm waren es Blicke, während er über Herodot sprach. Während er über Tempelhuren in Babylon sprach. Er sprach mit Verständnis, er sprach mit Liebe. Er sagte Dinge, die mir neu waren. Wir wahrten Abstand – genau einen halben Zentimeter.

Er testete mich. Ich nahm alles hin. Er leckte das Blut von seinen Lippen. Auch er nahm alles hin. Er verstand alles. Er verstand jedes Bedürfnis. Ich fiel herein. Ich dachte, er wolle auch alles. Manchmal lächelte er. Sommerregen fiel hernieder. Sommerregen fiel auf den Pergamonaltar, auf das Buch in seiner Hand, auf die Stellen meines Körpers, die er berührte, wie zufällig.

Ich versank.

DOLL IS MINE
Mine is an act of love
Mine is a wish to solve
And mine is to sink by your side
You are to be amused
And you‘re never to be confused
In your first love
Your first time
Why a doll
So they tell me
Cause she’s mine
Faith and fully mine
I must say
This love hasn’t changed me
Cause I feel fine
Faith and fully fine
I must have seen too much skin
Much more than I needed to win
And much more than I wanted to dream
I must have felt so much pain
It’s funny how some things do remain
It isn’t true that things do change
Isn’t it strange how pain remains
But don’t look so sad
Cause it isn’t sad
Now that I have you to myself
Why a doll
So they tell me
Cause she’s mine
Faith and fully mine
I must say
This love hasn’t changed me
Cause I feel fine
Faith and fully fine

[Blonde Redhead]

pyr

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Sonntag, 30. Juni 2013

5

Ich fuhr viel mit der S-Bahn damals. Zuerst stieg ich früher aus. Dann nicht mehr. Ich fuhr bis zum Ende mit. Ich log zu Hause. Ich stand allein auf dem windigen Bahnsteig. Mein Blick klebte an der Kreuzung. Er sah sich um, jedes Mal. Das schon. Dann war er weg. Für eine ganze Woche. Ich hatte wieder nichts gefragt.

Er baute eine Wand um sich, in jeder Sekunde. Ich konnte sie durchbrechen. Es war mühsam. Doch er roch nach Leder, in der Bahn. Er suchte jedes Wort mit Sorgfalt aus, das er sprach. Jede Silbe hatte Bedeutung. Dachte ich. Ich interpretierte viel. Immer konnte ich dankbar sein, dass er mich mitnahm. Er wäre auch allein gefahren. Und ich war dankbar. Demut.

Er war autark. Innen war er klein. Der Sohn seiner Mutter. Vor Quelle-Katalogen rutschend. Er steckte in sich fest. Ich holte ihn hervor. Er versprach Dinge. Ich glaubte. Ich interpretierte.

TURQUOISE BOY
Turquoise boy, I must confess to you
Sweet liberation has come
You are a legend in a lovely game
But now I feel I must run
Turquoise boy, the sky is calling me
Sweet isolation in the sun
You are a soldier in a sad charade
How can you lose what’s never found

[Sonic Youth]

pyr

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Donnerstag, 13. Juni 2013

4

Das Wort „Danke“ habe ich nie gehört. Aber meine inneren Verkrustungen begannen zu schmelzen. Ich lernte die Macht. Ich fand Worte, die auch sie zu Hause erlösten. Harte Worte. Ich fand Erleichterung. Sie half durch lange Sommer. Doch schon im November fiel er in den Winterschlaf.

Nach dem ersten langen Sommer gab er auf. Er redete von seinen Narben, den inneren und äußeren. Er beschrieb mich. Er erkannte mich. Er begehrte mich. Aber er ging nichts mit mir trinken. Der Zeitplan. Sein Zeitplan. Die erste Berührung am Lenker meines Fahrrades schwemmte mich hinweg. Und das Warten begann.

Ich wollte das, was andere fürchteten. Ich wollte das, was andere schwierig fanden. Aber sie hatten recht. Der abrupte Wechsel der Sprache und des Themas mitten im Satz machte mich hilflos. „Ich will dich ficken.“ Seine Leine für mich war sein Blick, der endlose und rare Blick.

KNIVES OUT
I want you to know
He's not coming back
Look into my eyes
I'm not coming back
So knives out
Catch the mouse
Don't look down
Shove it in your mouth
If you'd been a dog
They would've drowned you at birth
Look into my eyes
It's the only way you'll know I'm telling the truth
So knives out
Cook him up
Squash his head
Put him in the pot
I want you to know
He's not coming back
He's bloated and frozen
Still there's no point in letting it go to waste
So knives out
Catch the mouse
Squash his head
Put him in the pot

[Radiohead]

pyr

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Montag, 10. Juni 2013

3

Ich lernte Demut. Doch ich lernte die Demut eines Hundes. Ich lernte das Warten. Wilde Tiere fängt man mit Geduld. Das ist eine Lüge. Untauglich bin ich, Fallen zu stellen. Ich fiel in seine. Meine einzige Macht war die sexuelle.

Wir waren im Keller. Seine Hand lag um meinen Hals, vollständig. Eine Hand reichte aus. „Ich könnte dich erwürgen, wenn ich wollte. Du hättest keine Chance.“ Ich schloss die Augen. Ich hatte Angst. Ich war erregt. Der Wolf zeigte sich endlich. Er küsste mich heftig. Ließ los. Ging sofort weiter, zurück ins Licht. „Halt“, wollte ich rufen, „Bleib hier“. Aber ich hörte meine Stimme nicht. Meist war er langsam. Wenn er ging, war er schnell.

Geflüsterte Worte kitzelten in meinem Kopf. Sie füllten mich. Anfangs waren sie pornografisch. Später wurden sie dunkel. Doch er war immer da. Mit seiner sicheren Hand. Der Hand, die nicht tötete, sondern hielt. Mit dem Geruch nach Kreide und Seife. Ein weißer Geruch.

ON THE WATER
All the windows are glowing
The branches bending low
The skyline is swinging
Rocking back and forth
Walking down this dirt road
Watching at the sky
It’s all I can do
It’s all I can do
All the years keep rolling
The decades flying by
But ahh
The days are long
So here’s one to the pigeons
And the tugboats on the river
Here’s one to you
For walking in my shoes
Oh, you know I’d never leave you
No matter how hard I try
You know I’d never leave you
And that’s just how it is
Everybody sees right through
Oh, the static
That is, dear, everyone but you
Oh, it’s funny
To think it through
Everybody
That is, dear,
Everyone but you

[The Walkmen]

pyr

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